Kubernetes hat sich in erstaunlich kurzer Zeit vom „spannenden Open-Source-Projekt“ zum De-facto-Standard für moderne Applikationsplattformen entwickelt. Es gibt kaum ein größeres Unternehmen, das heute keine Container einsetzt oder zumindest darüber nachdenkt. Die Versprechen reichen von Skalierbarkeit, über hohe Verfügbarkeit und schnellere Releases bis hin zu mehr Flexibilität.
Trotzdem hört man in vielen IT-Abteilungen Sätze wie: „Eigentlich läuft unser Kubernetes-Cluster, aber …“ Dieses „aber“ ist dabei fast immer der spannendste Teil. Gerade im Kubernetes-Betrieb zeigt sich schnell, ob die Plattform strategisch oder nur experimentell eingesetzt wird.
Deshalb beleuchten wir in diesem Artikel, warum der Betrieb von Kubernetes-Plattformen im Unternehmensumfeld so häufig scheitert, welche Muster sich immer wieder zeigen und was Organisationen, die Kubernetes erfolgreich einsetzen, anders machen.
Kubernetes ist kein Produkt, sondern ein Betriebskonzept
Einer der häufigsten Denkfehler passiert ganz am Anfang: Kubernetes wird wie ein Produkt behandelt. Cluster werden aufgesetzt, ein paar YAML-Files geschrieben, das Monitoring aktiviert und das System ist fertig aufgesetzt, oder? In der Realität ist Kubernetes jedoch kein statisches System, sondern ein hochdynamisches Ökosystem aus:
- Control Plane
- Worker Nodes
- Netzwerk- und Storage-Layern
- CI/CD-Pipelines
- Security-Komponenten
- Applikationen mit vielen unterschiedlichen Anforderungen
Kubernetes ist kein Projekt, das man einmal aufsetzt und dann abschließt, sondern eine Plattform, die dauerhaft betrieben, gepflegt und weiterentwickelt werden muss. Wer das unterschätzt, wird früher oder später unerfreuliche Erfahrungen sammeln.
Typischer Grund Nr. 1: Kubernetes läuft „nebenbei“
In vielen Unternehmen ist der pragmatische Ansatz, den Kubernetes-Betrieb einem bestehenden Infrastruktur- oder DevOps-Team mitzuübergeben. In der Realität sieht es dann oft so aus:
- Kubernetes ist nur eines von vielen Themen
- Das Know-how liegt bei ein oder zwei Schlüsselpersonen
- Die Dokumentation existiert theoretisch
- Statt einem strukturierten Betrieb findet reaktive Problemlösung statt.
Das funktioniert erstaunlich gut, solange alles seinen gewohnten Gang geht. Dass Kubernetes fehlende Betriebsstrukturen nur begrenzt verzeiht, zeigt sich, sobald es zu Lastspitzen, Updates, Sicherheitsvorfällen oder unerwarteten Abhängigkeiten kommt.
Typischer Grund Nr. 2: Komplexität wird unterschätzt
Kubernetes fühlt sich am Anfang leicht an. Viele Dinge funktionieren „out of the box“. Doch mit wachsender Nutzung steigen auch:
- Die Anzahl der Services
- Die Abhängigkeiten zwischen den Applikationen
- Die Anforderungen an Security und Compliance
- Der Bedarf an sauberem Monitoring und Logging
Was früher ein einzelner Applikationsserver war, ist heute ein verteiltes System, dessen Fehlerbilder nicht immer intuitiv sind. Ein Problem im Netzwerk, in der Storage oder in der Ressourcenkonfiguration kann Auswirkungen haben, die erst Minuten oder Stunden später sichtbar werden.
Der erfolgreiche Betrieb von Kubernetes-Plattformen erfordert ein tiefes Verständnis für das Zusammenspiel von Infrastruktur, Applikation und Prozessen frühzeitig zu erkennen, wo sich Probleme anbahnen könnten.
Typischer Grund Nr. 3: Fehlen von klaren Verantwortlichkeiten
Fehlende Verantwortlichkeiten sind natürlich nicht nur im Umgang mit Kubernetes ein Problem. Aber wo verschiedene Unternehmensbereiche in einem System zusammenarbeiten, werden unklare Zuständigkeiten schnell sichtbar, vor allem dann, wenn es kritisch wird. Dan schiebt das Entwicklerteam die Schuld auf den Cluster, das Betriebsteam sieht das Problem bei der Applikation und am Ende weiß niemand, wo angesetzt werden muss.
Kubernetes braucht klare Rollen, saubere Übergaben und definierte Verantwortlichkeiten. Ohne diese Grundlagen wird aus moderner Plattformarchitektur schnell ein organisatorisches Minenfeld.
Typischer Grund Nr. 4: Sicherheit kommt zu spät
Obwohl Kubernetes als zentrales Element der gesamten IT-Sicherheitsarchitektur gedacht ist, rückt die Security bei Einführung der Plattform oft zu spät in den Fokus. Dabei sind Fehlkonfigurationen, unklare Netzwerkregeln oder nicht gepflegte Images keine theoretischen Risiken, sondern reale Einfallstore. Professioneller Kubernetes-Betrieb bedeutet deshalb auch:
- Kontinuierliche Updates
- Saubere Zugriffskonzepte
- Security-Monitoring als festen Bestandteil des Betriebs
- Die Behandlung von Security nicht als Sonderprojekt, sondern als integralen Teil des Alltags
Wie Kubernetes-Betrieb im Unternehmen wirklich funktioniert
Eine gute Nachricht zu Beginn: Die Einführung von Kubernetes scheitert nicht, weil es zu komplex ist, sie scheitert, weil es wie ein klassisches Infrastrukturthema behandelt wird.
Erfolgreiche Unternehmen gehen anders vor:
1. Der Betrieb wird als eigene Disziplin verstanden
Der Kubernetes-Betrieb läuft nicht nebenbei mit, sondern ist ein klar definierter Aufgabenbereich mit Prozessen, Verantwortlichkeiten und Zielen
2. Stabilität schlägt Feature-Hype
Nicht jede neue Kubernetes-Version muss am Release-Tag produktiv gehen. Stabilität, Transparenz und Planbarkeit haben Priorität
3. Monitoring, Logging und Alarmierung sind keine Kür
Werden Probleme erst erkannt, wenn die Anwender*innen anrufen, ist es zu spät. Professioneller Betrieb erkennt Auffälligkeiten, bevor sie kritisch werden.
4. Betrieb und Entwicklung arbeiten eng zusammen
Kubernetes ist die perfekte Plattform, um Silos im Unternehmen aufzubrechen. Es entfaltet dort sein größtes Potenzial, wo Betriebserfahrung und Entwickler-Know-how kooperieren.
Warum viele Unternehmen auf externe Unterstützung setzen
Irgendwann stellen sich viele Organisationen die ehrliche Frage, ob sie die Plattform wirklich vollständig selbst betreiben müssen.
Gerade bei geschäftskritischen Systemen entscheiden sich viele Unternehmen bewusst dafür, den Kubernetes-Betrieb teilweise oder vollständig auszulagern. Nicht unbedingt, weil internes Know-how fehlt, sondern weil:
- 24/7-Betrieb intern schwer abzudecken ist
- Spezialwissen dauerhaft verfügbar sein muss
- IT-Betrieb nicht das Kerngeschäft ist
- Sie Stabilität und Verfügbarkeit sicherstellen möchten
Ein externer Betriebspartner bringt dabei nicht nur Erfahrung aus vielen Umgebungen mit, sondern auch erprobte Betriebsmodelle, klare SLAs und eingespielte Prozesse.
Fazit: Kubernetes ist ein mächtiges Werkzeug
Niemand implementiert Kubernetes zum Selbstzweck. Es ist ein Werkzeug, um zukunftssichere IT-Plattformen zu betreiben. Ob dieses Ziel erreicht wird, entscheidet sich im täglichen Betrieb. Unternehmen, die Kubernetes als langfristige Plattform begreifen, investieren nicht nur in Technologie, sondern auch in moderne Strukturen, Prozesse und Partnerschaften. Genau dort liegt der Unterschied zwischen „es läuft irgendwie“ und „es ist eine echte Bereicherung“. Am Ende gilt, wie so oft in der IT: Nicht die Plattform ist für den Erfolg entscheidend, sondern der Umgang mit ihr.
Klingt spannend? Reden wir darüber
Seit über 20 Jahren betreiben wir bei ONTEC komplexe IT-Systeme für Betriebe aller Größen aus den unterschiedlichsten Branchen. Mit unserem DevOps-Ansatz verfolgen wir das Ziel einer nahtlosen Zusammenarbeit zwischen Softwareentwicklung, IT-Betrieb und IT-Security. Wir sind außerdem ISO 27001 zertifiziert und verfügen über einen nach ISAE 3402 zertifizierten Kontrollbericht.
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Hannes Gruber
ONTEC AG
Kundenorientierung bedeutet für mich sich in die Lage des Kunden versetzen zu können. Genaues Zuhören, verstehen und ein fachlich top aufgestelltes Team sind hierbei entscheidend, um den Kunden die optimale Lösung anzubieten.